Über uns

Die Initiative „Hamburger Breitensportler*innen gegen Olympia 2024“ wurde im Sommer 2015 von einer Gruppe von Läufer*innen aus der Marathonabteilung des FC St. Pauli und anderen Sportvereinen der Stadt gegründet. Sie versteht sich als offene Plattform für alle Sportler*innen, die sich kritisch mit dem Thema Olympiabewerbung und Olympia 2024 in Hamburg auseinandersetzen.

Wir sind alle sportbegeistert – die Olympiabewerbung und die Spiele in Hamburg sehen wir trotzdem kritisch. Wer glaubt, der  Breitensport in Hamburg profitiere von Olympia, der ist naiv. Die Luftverschmutzung wird eher schlimmer, die Bewegungsfreiheit und auch die Routen etwa für Läufer*innen oder Radsportler*innen durch den Riesenapparat Olympia werden eingeschränkt, die Sportstätten in den Vierteln rotten weiter vor sich hin, während auf dem Grasbrook glänzende IOC-Arenen mit Steuergeldern für leider oft gedopte Spitzensportler*innen aus dem Boden gestampft werden. Gerade in Stadtteilen wie St. Pauli oder Osdorf gibt es aber einen akuten Mangel an freien Zeiten in den wenigen vorhandenen Sporthallen. Das hat zum Beispiel zur Folge, dass in vielen Abteilungen beim Amateursport des FC St. Pauli keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen werden. Noch drastischer ist die Situation für fußballbegeisterte Jugendliche: Ab dem zwölften Lebensjahr ist Fußball beim FC St. Pauli kein Breitensport mehr, es bleibt nur das Jugendleistungszentrum.

Was die Stadt und ihre Menschen also brauchen, sind funktionierende, moderne Sportstätten in ihrer Nähe – und zwar jetzt, und nicht erst 2024, nach ihren Bedürfnissen und nicht nach Vorgaben des IOC.

An die Adresse der olympiabesoffenen Funktionäre im Hamburger Leichtathletik-Verband und im DOSB sagen wir: „Nicht alle Sportler*innen in Hamburg sind für Olympia“. Und: „Wir lassen uns nicht vereinnahmen und mit albernen Versprechungen ruhig stellen“.

Die Befürworter behaupten, Olympische Spiele seien der Katalysator für eine moderne Stadtentwicklung, ohne Olympia würde Hamburg und seine Wirtschaft stagnieren. Wirtschaftsvertreter*innen, vor allem solche, die sich von Olympia Profite erhoffen, setzen sich daher auch an die Spitze einer beispiellosen Olympiakampagne, während Polizei und Sicherheitskräfte mit einem nie dagewesenen Upgrade ihrer Ausstattung im Zuge von Olympia liebäugeln. Medien, stadteigene Firmen und von der Stadt finanzierte Organisationen sowie die Sportverbände ziehen mehr oder weniger willig mit. Am 29. November 2015 sollen Hamburgs Bürger*innen die Bewerbung abnicken und dem Senat, dem DOSB und dem IOC einen Blanko-Scheck ausstellen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt und welche Kosten und Auswirkungen Olympia hat.

Wir glauben, dass wir uns auch als Breitensportler*innen politisch zu sportlichen Großveranstaltungen wie Olympia positionieren müssen, wenn sie „Menschenrechte“, „Umweltschutz“ und „Arbeitsbedingungen“ zu nachprüfbaren Kriterien dafür machten, die Austragungsorte auszuwählen. Die Art, wie sich Sportfunktionäre um Skrupel herumdrücken, ist schon lange zum ethischen Offenbarungseid geworden.

Ein emanzipierter Sport darf sich dagegen wehren, politisch und ideologisch vereinnahmt zu werden. Er muss aber auch seine Staats- und Politikferne unter Beweis stellen, indem er eine Haltung entwickelt, den Sport und seine Ethik in den Mittelpunkt zu stellen, nicht aber das globale Business oder nationalen Größenwahn.

„Unpolitische“ Wettkämpfe dürfen nicht länger als eine interessengeleitete Show daherkommen. Nur in diesem Bewusstsein passen Sport und Politik zusammen.

Als engagierte Breitensportler*innen wollen wir mit dem 1. Olympiakritischen Hamburger Staffellauf am 4. Oktober 2015 im Stadtpark ein sportliches Zeichen gegen diese Olympiapropaganda setzen. Wir glauben nicht, dass Hamburg und der Breitensport in der Stadt durch Olympia gewinnen wird, sondern die Sportstätten der Stadt abseits der glanzvollen IOC-Arenen und Olympia- bzw. Leistungszentren bis 2024 weiterhin ein Schattendasein fristen werden.